Rechtsbeistand, Kollegenklönschnack und gemeinsames Erleben elektrotechnischer und anderer Revolutionen im Schriftstellerberuf von Svende Merian

Natürlich wollte ich Schriftstellerin werden, als ich gerade lesen gelernt hatte und Kalle Blomquist-Bücher verschlang. Leider war nach dem dritten Band Schluss mit der Blomquist-Detektei. Gott sei Dank hatte Astrid Lindgren aber noch mehr geschrieben als den Meisterdetektiv: Rasmus und der Landstreicher, Michel aus Lönneberga, Madita und Pims, Ferien auf Saltkrokan gab es ja auch noch.

Mein Germanistik-Studium an der Uni bereitete mich auf alles Mögliche vor, aber nicht auf Urheberrechtsfragen und Vertragsmodalitäten, die es zwischen Autoren und Verlagen zu regeln gilt. Als Berufseinsteigerin 1980 bekam ich von Kollegen den VS-Normvertrag in die Hand gedrückt, der mir gute Dienste geleistet hat. Ich gehöre damit zu der Autorengeneration, die Arbeitsbedingungen vorfand, die andere vor uns erstritten hatten. Unsere Gewerkschaft, in der sich der Verband deutscher Schriftsteller organisiert hatte, hieß damals noch Industriegewerkschaft Druck und Papier.

Einen VS-Kongress in Harburg erinnere ich, auf dem Kollegen noch über Lautsprecher ans Telefon gebeten wurden, wenn jemand während dieser zwei Tage etwas Wichtiges von ihnen wollte. Einen Teil meines ersten Roman habe ich noch auf einer mechanischen Schreibmaschine getippt, bis die Sehnenscheidenentzündung mich zur Anschaffung einer elektrischen Schreibmaschine motivierte. Für die Referate im Germanistik-Studium hatte die alte Maschine gereicht.

Urheberrechtlich versierte Anwälte habe ich dann durch den VS kennen gelernt, als es die ersten Probleme mit meinem ersten Verlag gab. Ich wurde gut beraten, mir wurde kompetent geholfen, und diese Erfahrung als junge und unerfahrene Autorin ist für mich der Grund, warum ich seit 32 Jahren im Schriftstellerverband bin und jungen Autoren auch empfehlen kann, bei uns Mitglied zu werden.

Ein nächster Kongress 1984 in Saarbrücken diskutierte heftig die Umbenennung der IG Druck in IG Medien, warnte vor der Zulassung von privaten Fernsehsendern und vor der Computertechnik, die wahrscheinlich von uns Schriftstellern zukünftig das Abliefern druckreifer Manuskripte verlangen würde (sic!).

Auf einer Gewerkschaftssitzung in Hamburg erwähnte ich später einmal beiläufig die Berufsbezeichnung „Setzer“ und erntete von den Druckerkollegen bitteres Hohngelächter: Vorbei waren die Zeiten, als diese Arbeitsplätze noch unangetastet waren!

Einen weiteren Schritt in die Zukunft erlebte ich in einer kleinen Hamburger Kneipe, als Reimer Eilers uns auf einer Mitgliederversammlung die Umbenennung in Ver.di bekannt gab, ein Name, den ich als musisch interessierter Mensch gleich sehr hübsch fand und immer noch finde. Im Internetzeitalter ist nun in diesem Beruf kaum noch etwas so wie früher. Von den vielen kleinen Sortimentsbuchhandlungen, durch die ich in den 80er Jahren mit Lesungen getingelt bin, hatten es schon mit der Ausbreitung der großen Buchhandelsketten nur wenige geschafft zu überleben, - und dann kam auch noch das Internet und Amazon.

Gerade um bei diesem rasanten Wandel der heutigen Medienwelt vernetzt zu sein und im Austausch mit Kollegen flexibel auf Veränderungen reagieren zu können, ist mir die Mitgliedschaft im VS wichtig.

Last but not least möchte ich die Möglichkeit der Autorenlesungen an Hamburger Schulen erwähnen, über das Literaturzentrum organisiert in Kooperation mit Kulturbehörde und Schulbehörde. Damit tragen wir zur Leseförderung bei. Die Literaturabstinenz in weiten Teilen der Smartphone-Generation bleibt eine Herausforderung für uns alle.

Mehr zur Kollegin Svende Merian unter https://svendemeriansmorgenkolumne.wordpress.com/